»Ein finnischer DIDAKTIKER begeht neue Wege in der verzopften Allgemein-Pädagogik«

»Schweigen, anhören, gucken und entdecken«

"Sobald wir die Hautfarbe, die Kultur eines Anderen anschauen und ohne ein Beurteilen des ‚Weniger als ...’, des ‚Gleich auf mit ....’ oder des ‚Mehr als ....’ existieren können, wird der Frieden ein Fundament besitzen."- so schreibt eine Leserin dieser Tage in einer Antwort auf einen Internet-Tagebucheintrag von ND Walsch (Ende Sept. 2006).

In der Tat. Das Gleiche gilt auch für unseren Verkehr untereinander 'im Kleinen': auf der Straße, beim Einkaufen, vor dem Fernseher, bei unserer Lektüre der Medien, im Klassenzimmer, in der Familie ....

Wen stellen wir ins Zentrum? - das ist die Frage des zeitgenössischen finnischen Didaktikers Matti Meri, wenn er sich das Geschehen in den Schulen vergegenwärtigt. "Es ist wichtig zu sehen, welche persönliche Bedeutung die Dinge für den einzelnen Schüler haben." Die Präsentation des Themas von vorne, von 'oben herab' in "Alle hören auf Einen"-Situationen gehört zu den am wenigsten anzutreffenden Situationen, die in einem vom einzelnen Schüler ausgehenden Unterricht anzutreffen sind, meint M. Meri.

Die Neue Spiritualität stellt klar, dass in den Schulen der Neuen Spiritualität Kinder und Erwachsene gemischt das Lernen betreiben. Die Kinder bestimmen, welchem Thema nun der Vorzug gilt. Ihnen wird "in und vermittels Geschichten", die sie zum Mitmachen und zur Lösung des Ausganges anregen, ein Thema entfaltet. So die genügend ausführlichen Darlegungen in 'Gott Heute'.

Was Matti Meri herausarbeitet, ist - wir stehen am Ende der Ära einer Schule mit Fließband-Situation. Der Lehrplan ist das Fließband, das an den Schülern vorbeiläuft. Die Unterrichtsgegenstände sind darauf angeordnet. Für die Schüler gilt es, sie vom Band zu nehmen und in ihren Kopf einzubringen.

Die Zeiten haben sich geändert. Wir befinden uns in weiten Teilen in einer Informationsgesellschaft. Im Gegensatz zu einem Handlauf an einer U-Bahn-Treppe, nutzt sich Wissen, je öfter, wir es nutzen, nicht ab. Es hinterlässt keine Spuren des zu Erneuernden, wenn eine Website öfters, kaum oder mittelmäßig oft abgefragt und von ihr Informationen entnommen werden.

Es gibt in unseren Tagen sichtbarerweise und handgreiflich unendlich groß erscheinende Informationsmengen. Sodass der Drang zu klären, wann denn nun Wissen im Schüler entsteht, in der Folge als eine öffentlich gestellte Frage aufkommt. M. Meri wendet sich dem zu. " .... Wissen entsteht [erst], wenn die Schüler es in einen, am besten ihren eigenen Kontext stellen. Im Grunde nehmen sie dabei nicht Wissen auf. Sie stellen Neues her. Lehrer sollten nicht gleich alles erklären, [....], sondern darauf achten, was die Schüler beobachten, was sie fragen, wie sie über die Dinge sprechen, kurz: Wie sie die Welt betrachten" ("taz" – vom 20.9.06).

Auch nimmt der Didaktiker europäischen Formats in den Blickwinkel, dass es um eine Individualisierung geht. „Es gibt Schüler, die können praktisch nur allein für sich lernen“. Es gibt eine ganze Menge Schüler, wohl die Mehrzahl der Schüler, die sehr Wesentliches und Bestimmendes, Fruchtbares und neue Wissensbezüge Erzeugendes im Solo-Zustand lernen und erwerben – sagen wir besser: erinnern – so meine Anstückung an die Feststellung Meri’s.

Lehrer der Neuen Spiritualität sind meisterlich im Zuhören, sind meisterlich im Sich-Leiten-Lassen-Können und -Mögen, im Gucken und Entdecken. Sie beobachten, was ihre Gegenüber, was ihre Schüler beobachten, was sie erfragen, wie sie zu den und über die Dinge reden, anders gesagt: mit Gedanken von welcher Art sie die Welt betrachten.

»… die guten Lehrer und Lehrerinnen versuchen nicht, ihren Schülern und Schülerinnen etwas einzutrichtern, sondern aus jedem und jeder Einzelnen von ihnen etwas herauszulocken. . … Und du brauchst nichts zu wissen, um die Weisheit aus anderen hervorzulocken. Tatsache ist, je weniger du zu wissen glaubst, desto besser.« - GH 394f.

 

Der Unterweisende macht sich die Sache des Zu-Unterweisenden (oder des um Unterweisung Einkommenden) zueigen. Das setzt aufseiten des Unterweisenden jene Leere voraus, die von allen Lehrern aller spirituellen Traditionen zuvorderst den Kindern beigemessen wird. ("Werdet ihr nicht wie die kleinen Kinder, so werdet ihr nicht das Himmelreich sehen." - "Lasset die Kinder zu mir kommen. Wehret ihnen nicht, denn ihrer ist das Himmelreich.") Jener Lehrer lebt in einer Kette von Überraschungen, die die Art und Weise, wie der Schüler die Welt begreift, ihm auf einer Kordel aufgereiht darreicht. Nichts zu wissen, ist das ideale Trittbrett für einen Lehrer der Neuen Spiritualität. Meri’s Aussage „Im Grunde nehmen sie [die Schüler] dabei nicht Wissen auf. Sie stellen Neues her.“ gilt im selben Maße für den Lehrer.

Zum Zuhören gehört die schwesterliche Eigenschaft des Würdigens. Der Lehrer würdigt alle aufkommenden Arten aufseiten des Schülers, wie Jener die Welt betrachtet. Mir sind einige wenige spirituelle Lehrer der Neuzeit bekannt, die in ihrem dialogischen Verkehr mit den Schülern die Sache vom Kopf auf den Fuß stellen: und die die „Schüler“ mit „lieber Lehrer“ anreden und sich stets für jedes Erkunden, Bemerken, Erfragen und In-Zweifel-Stellen bedanken.

 

Diese Didaktik Matti Meri's ist Arbeit für den Frieden. Sie fundamentiert Frieden.