Worte und Musik der Sexualität im Dom

 

"Lieder über körperliche Liebe im übervollen Hohen Dom zu Osnabrück"

Am vergangenen Samstag, 14 Uhr, full house 'beim Bischof seinem Dom'. Der Domchor singt unter dem Titel: "Das Hohe Lied der Liebe ...." ausschließlich Chorwerke, die sich mit der Liebe zwischen Frau und Mann befassen.

Der Begleittext zu den Stücken spricht davon - man höre -, es habe eine "fortschreitende Tabuisierung unbewältigter Geschlechtlichkeit, die Sinnlichkeit mit Unsittlichkeit gleichsetzte, gegeben", als das Hohe Lied des Salomon (wahrscheinlich eher Liebeslieder aus dem 3.-5. Jhdt. v.Chr. unter alt-ägyptischem Enfluss) in das Sichtfeld der Jahrhunderte katholischer Marienverehrung, des als einzigartig ausgegebenen Weges des auserwählten Volkes (und damit auch der christlichen Religion) geraten sei.

In dem Textblatt ist ferner zu lesen ....

"Erst in neuzeitlicher Theologie wird die Leibfeindlichkeit überwunden: körperliche Liebe ist (wieder) eingebettet in die Schöpfung Gottes; damit kann der Blick offen werden für den hohen sittlichen Gehalt der Lieder .... In orientalischer Bildhaftigkeit und Harmonie mit der erwachenden Natur sprechen eine Frau und ein Mann offen, aber niemals ohne Achtung voreinander, von ihrem liebenden Verlangen. Die Spaltung von Leib und Seele ist aufgehoben. Die Liebenden genießen ihre Sinnlichkeit als selbstverständliche Erfüllung ihrer personalen Beziehung."

Das Konzert hatte ausschließlich die wunderschönen Texte des Hohen Liedes der Liebe von Salomon zur Vorlage. Alle Sitzplätze besetzt. Die Leute standen in den Gängen und lauschten.

[Th.B. - 12.10.06]