Michael LERNER: The Left Hand of God: Taking Back Our Country From the Religious Right.

 

 

Michael LERNER: The Left Hand of God: Taking Back Our Country From the Religious Right. San Francisco, 2006. 408 pp., $24.95

 

Zunächst die

Buchrezension aus dem ‘Boston Globe Correspondent’ – 28. Juni 2006. Von Dan Wakefield.

 

Rabbi Michael Lerner, Gründer, Herausgeber und Verleger des liberalen interkonfessionellen Magazins ‚Tikkun’ [hebr.; dt.: heilen, reparieren, umgestalten der Welt; A.d.Ü.] bildet gerade ein nationales „Network of Spiritual Progressives“, ein Bemühen, »um eine Alternative bereitzustellen sowohl zu der intoleranten und militaristischen Politik der Rechten als auch zu der gegenwärtigen fehlgeleiteten, visionslosen und oft spirituell entleerten Politik der Linken«. [ND Walsch empfiehlt es, dieser neugegründeten Organisation beizutreten. Hier: Blog-Eintrag v. 31.3.06; Anm.Th.B.]

Sein neues Buch „The Left Hand of God“ ist ein gesammelter Schrei und eine theoretische wie auch gelehrte Analyse des Aufrufes der religiösen Rechten. Es ist auch eine Art Handbuch zum Erschaffen einer Bewegung, „die dasjenige für die Demokraten und Grünen sein kann, was für die Republikaner die Religiöse Rechte war“, indem es „intellektuelle, politische und spirituelle Inspiration für die Menschen in der Partei verschafft, auch dann, wenn sie formell noch nicht in eine Flucht gebracht sind, sobald es zu Wahlen kommt.“

Lerner hält Wahlreden bei seinen Reisen übers Land auf seiner Buch-Tour, ähnlich dem, wie es der progressive evangelikale Jim Wallis vor einem Jahr mit seinem Buch „God’s Politics: Why the Right Gets It Wrong and the Left Doesn’t Get It“ [Gottes Politik: Warum die Rechte sie falsch versteht und die Linke sie nicht mitkriegt] tat. Als Schriftsteller, Sprecher und Organisatoren traten Lerner und Wallis auf, um die Leere zu füllen, die die Führer der Bürgerrechts- und der Antikriegs-Bewegungen der 60-er- und 70-er-Jahre hinterlassen haben.

Woran es der säkularen Linken und der Demokratischen Partei an Verständnis mangelte, so argumentiert Lerner, ist, dass »Menschen um Gott kreisen – sie wenden sich dem Heiligen zu --, und diese Dimension in uns kann nicht gänzlich zum Versiegen gebracht werden. Die Menschen spüren ein in die Nähe von Verzweiflung kommendes Verlangen, sich mit dem Heiligen wieder zu verbinden, das Verlangen, einen Weg zu finden, um ihr Leben mit einer höheren Bedeutung zu vereinen, mit einem höheren Zweck und insbesondere mit jenem Aspekt des Heiligen, der auf der liebevollen, freundlichen und freigiebigen Energie im Universum errichtet ist, die ich als die ‚Linke Hand Gottes’ bezeichne.«

Viele Säkulare, so Lerner, glauben, dass die Wähler, die, entgegen ihren eigenen ökonomischen Interessen, sich auf die rechte Seite geschlagen haben, irregeleitet, dumm oder beides seien, doch, was diesen Kritikern entgeht, ist, dass »sehr viele anständige Amerikaner … deswegen von der Religiösen Rechte sich angezogen fühlen, weil es die einzig existente Stimme ist … dass sie willens sind, der Despiritualisierung des alltäglichen Lebens zu entgegnen, dass sie willens sind, nach einem Leben zu rufen, das von einem höherem Sinn als von Geld bestimmt ist, dass sie willens sind, praktische Erfahrungen einer Rückhalt bietenden Gemeinschaft für Jene zur Verfügung zu stellen, deren tägliches Leben von Entfremdung und spiritueller Einsamkeit überzogen ist.«

Die Linke, meint Lerner, »kann nicht, ohne das Gefühl zu haben, dass sie ihr eigenes Engagement für eine wissenschaftliche Form von Rationalismus mindert, über Liebe, Freundlichkeit oder Freigiebigkeit reden.«

Sein Buch und sein ‚Network of Spiritual Progressives’ stellen nicht den ersten Anlass dar, dass Lerner den Versuch unternimmt, seine Botschaft dem Publikum und dem politischen Machtapparat rüberzubringen. Sein früheres Buch „The Politics of Meaning“ [nicht übersetzt und nicht in dt. publiziert; A.d.Ü.] erregte bei den Clintons in ihrem ersten Jahr im Weißen Haus Aufsehen, und Lerner wurde eingeladen, mit dem Ehepaar über das Thema zu sprechen. Als es aber die Runde machte, dass die Clintons sich über das „Bedeutungsvolle“ in der Politik den Rat eines Rabbis suchten, johlten und brüllten einige Vertreter der Medien darüber, was ihres Erachtens eine gefühlsduselige Angelegenheit war und unter dem Label <Lerner ein „Guru“> lief – Rasputins Schatten!

Vor den nächsten Wahlen wäre es für die Demokraten von Vorteil, sich ernsthaft einige scharfsinnige und schöpferische Ideen Lerner’s vorzunehmen. Lerner versteht, dass es für die säkulare Linke nötig ist, ihre feindliche Haltung gegenüber Religion und Spiritualität abzuschwächen, wenn sie Hoffnungen hegt, in einem Land Wahlen zu gewinnen, in dem die große Mehrheit der Wähler sich als religiös betrachtet. Wallis erzählt die Geschichte von einem jungen Mann in Boston, der ihm bei einer Buchsignierstunde davon berichtet, in Massachusetts sei ein Coming Out als Schwuler leichter als ein Coming Out als Religiöser in der Demokratischen Partei. Lerner besitzt nun seine eigene Story über die Art, wie Religion entlang von Parteilinien wahrgenommen wird. Als ein Freiwilliger bei den letzten Wahlen sagte, er könne ein Treffen am Sonntagmorgen nicht wahrnehmen, weil er zur Kirche zu gehen habe, war sein Vorsitzender durcheinander. „Ich dachte, du seiest ein Demokrat“, sagte er.

Lerner hofft, diese Wahrnehmung zu ändern, und dieses Buch ist dabei ein guter Ausgangspunkt.

 

Soweit die Rezension aus dem „Boston Globe“.

 

In einer zunehmend kaufgesättigten Welt der Amerikaner und des Westens kommt die Sinn- und Bedeutungsfrage unter den Bürgern der reichen Staaten mehr und mehr auf. Ein Grund dafür, weswegen die Religiöse Rechte so erfolgreich war, liegt darin, dass sie fähig war, diesen Hunger nach Sinn und Bedeutung anzusprechen. Sie stellte einen umfassenden Kontext bereit, in dem das Bestreben nach einem höheren Zweck das zentrale, einende Anliegen einer Gemeinschaftsbildung wurde. "Sie entwickelte spirituelle Gemeinschaften, die zusammen beten, die füreinander gegenseitigen Rückhalt bereitstellen, und die sich in politischen Aktivitäten betätigen, um das rechtsgerichtete politische Programm voranzubringen" (Lerner).

M. Lerner ruft zur Gründung einer spirituellen Linken im öffentlichen politischen Spektrum auf. Vergleichsweise zu Europa - ein Unikum. Ich kenne keine öffentlich wirksame und präsente Person in Europa, die Ähnliches unternimmt - und eben dies ist mein Anlass, dieses Buch hier vorzustellen.

 

Das Feld der politischen Auseinandersetzung auf einer sichtbaren, in die Medien verbrachten und auf Personen und Programme zugeschnittenen Weise ist unter den spirituell Angezogenen und unter den spirituell ihr Leben nunmehr neu ordnenden Menschen Europas kaum betreten. Aus meiner persönlichen Erfahrung in embryonal ausgestatteten und vorangehenden spirituellen Bewegungen und Organisationen kann ich berichten, dass es um mehr als um Berührungsängste gegenüber 'dem Politischen' dabei geht, wenn jemand in 'unseren Kreisen' dieses Feld anvisiert, betreten zu mögen. Es weht einem dann ein anderer Wind entgegen als derjenige des bewillkommnenden Einlassens mit dir. Man teste diese meine Einschätzung und Erfahrung: Indem du eine politische Aktion in den Gemeinschaften lancierst, und gleichzeitig einen Aufruf ausgibst, landesweit zur selben Stunde gemeinsam zu meditieren - diese beiden Ideen möchtest du in deiner spirituellen Gemeinschaft erörtert und erforscht wissen.

 

Wie also will die Bewegung der Neuen Spiritualität in Europa vorankommen, solange sie das Feld des Politischen meidet? Michael Lerner und seine praktischen, organisierenden, rundum aufrufenden, massenverbreiteten Initiativen weisen uns da einen Weg. Weswegen nicht etwa Anwaltsvereinigungen, die sich auf Fürsorge inmitten von Sozialbeziehungen, auf Mitgefühl, gegenseitige Anerkenntnis, auf Trost schenken, auf Geschlechterbestimmtheit transzendieren, auf Rasse und Hautfarbe willkommen heißen, auf Offenherzigkeit und Freigiebigkeit, auf Transparenz gegenüber den Öffentlichkeiten, etc. berufen!? Weswegen dasselbe nicht unter Lebensmittelhändlern? Unter Kommunalpolitikern? Unter Geistlichen unterschiedlicher Religionen in einer Stadt?

Eine spirituelle Bewegung hat sich schon immer daran bewährt, was sie in ihrem eigenen Leben demonstriert. Und Demonstration ist nun mal eine öffentliche - ob kleine Öffentlichkeit oder große Öffentlichkeit, das tut nichts zur Sache - Angelegenheit. Anwendungsgesättigte spirituelle Bewegungen suchen die Öffentlichkeit. Spirituelle Konzepte in ihrer Anwendung meidende spirituelle Bewegungen meiden die öffentlichen Räume und geben maßgeblich der Kuscheligkeit - wahrlich ein nützlicher Zustand zu gewissen Zeiten - und der Nische den Vorzug. In diese Komfort-Zonen spiritueller Bewegungen Europas bläst M. Lerner ordentlich frischen Wind.

 

Eine spirituelle Bewegung, deren Spiritualität das Politische mit Eigenschaften des Anrüchigen versieht, misst sich so viel Handelnsspielraum zu wie es ein Anhänger von Jesus Christus tut, der munter seine Feinde weiterhin hasst: Wie es GmG ausdrückt - jener Anhänger hat "nichts von Christus verstanden".

 

Wie ist dieser Situation zu entkommen? Durch Bildung, Bildung, Bildung.

 

Was wir also in unseren spirituellen Bewegungen gegebenenfalls feststellen, dass es Tatsache ist, kann uns als ideales Trittbrett dafür dienen, in die Puschen zu kommen.

Uns zu unterweisen.

Dann und einhergehend damit in die Puschen zu kommen, etwas zu tun, was die Welt ändert. Derjenige zu sein, der wir wünschen, dass er es sei, der die Welt ändert. Dasjenige zu haben, von dem wir wünschen, dass wir es haben, womit es schnurstracks die Welt ändert.

Wie das beginnt? Durch einen Blick in den Spiegel im Badezimmer. Um die Frage zu beantworten: Wer Bin Ich Wirklich.