Richard Dawkins: Der Gotteswahn. 2007

Aus ND Walsch Blog - Montag,
den 15.10.2007 [aus: beliefnet]

 

In
Erwiderung auf Richard Dawkins – Teil 1

 

Als
Antwort auf Richard Dawkins: Du hast recht, Richard.

Als
Antwort auf Richard Dawkins: Du hast nicht recht.

Sollten
wir uns daraus überhaupt etwas machen? Ja, denn Richard Dawkins
ist keine gewöhnliche Person. Er ist ein angesehener
Wissenschaftler / Professor / Autor aus Oxford, dem Hunderttausende
(im eigentlichen wohl Millionen) das Ohr leihen, und der Anfang
dieses Jahres ein Buch veröffentlichte, das im wesentlichen
aussagt, es gebe keinen Gott.

Dies
ist eine traurige Ansicht, die der menschlichen Rasse keinen einzigen
Vorteil einfährt. Und deswegen sollten wir uns daraus etwas
machen. Da ich meine .... sofern die Gesamtheit der Menschheit
Richards Ansichten übernähme, hätten wir uns unserer
größten Aktivposten, unserer größten Werkzeuge,
unserer größten Vorteile begeben, während wir dabei
sind, tief in das Leben des 21. Jahrhunderts voranzuschreiten.

Dawkins
schuf mit diesem Buch einen rechten Wirbel, er gab ihm den Titel 'The
God Delusion'
[z.Zt. auf dt. erschienen – ThB], und es ist
leicht zu begreifen weswegen. Er bietet in seinem Text praktisch
nicht zurückweisbare Argumente und klar zugespitzte
wissenschaftliche Beweise, dafür, dass der herkömmliche
Gott der organisierten Religionen schlicht und einfach nicht
existiert.

Darin
stimme ich ihm bei.

Der
Gott, von dem er spricht – und von dem die meisten Religionen
sprechen – existiert nicht. Und insofern hat Richard recht. Doch
der Gott, von dem er nicht spricht – und von dem die meisten
Religionen nicht sprechen – existiert. Und insofern hat Richard
nicht recht.

In
'The God Delusion' lässt sich Professor Dawkins auf 406
Seiten (darunter ein 31-seitiger Anhang) darüber aus, zu
argumentieren, dass die Wissenschaft und nicht die Religion, dass die
Evolution und nicht das Intelligent Design, die Antwort bereithalten
für das größte Mysterium des Universums, das Leben
selbst, so, wie es sich einstellte und wie es funktioniert in all
seinen physischen Formen.

Noch
einmal, ich glaube, er hat recht.

Ich
mache die Beobachtung, dass die Evolution das Leben in all seinen
physischen Formen erklärt. (Nun, die meisten unter ihnen, wie
auch immer. Sie erklärt nicht Wunder, auch keine andersartigen
physischen Phänomene und keine metaphysische Erfahrung, für
die es in unserer Welt einen breiten Augenschein gibt.) Somit habe
ich wenig auszusetzen an dem, was Richard hier im Hauptsächlichen
zu sagen hat. Wo ich Einspruch erhebe, ist das, was Richard nicht
sagt.

Folgendes
sagt er nicht ....

....
die Evolution erklärt auch das Leben in all seinen
nicht-physischen Formen. Und er spricht nicht davon, dass die
Evolution selbst Gott Gottend(erweise) ist – obgleich er sich dem
im ersten Kapitel stark nähert, wo er sorgsam und an erster
Stelle bestätigt, dass mehr als eine Weise existiert, um Gott zu
betrachten. Wiewohl sagt er im selben Kapitel: „... sofern das Wort
nicht gänzlich unnütz ist, sollte es in der Art verwendet
werden, wie es die Menschen im allgemeinen verstanden haben: es
sollte einen übernatürlichen Schöpfer bezeichnen, der
'für uns geeignet ist, ihn anzubeten'.“

Ich
wüsste nicht, wie ich dem mehr zustimmen könnte. Genau
deswegen, weil wir unaufhörlich das Wort Gott in der Weise
benutzten, wie die Menschen es im allgemeinen begriffen, wurde das
Wort gänzlich unbrauchbar. Glücklicherweise verwendet
Richard den Rest dieses Buches, um diesen Punkt voll und ganz zu
erweisen. Unglücklicherweise tut er wenig, um bei dem Thema
Künftiger Gott (was den Titel, das muss ich unbescheiden
feststellen, eines Buches aus meiner Feder darstellt), indessen er
klar herausstellt, dass der Gott Unserer Väter – oder wie ich
es ausgedrückt habe, der Gott von Gestern – ein Mythos ist,
neuen Boden zu erobern.

Kurz
gesagt, Richard hat uns brillant darüber erzählt, was Gott
nicht ist, doch hat er uns nichts darüber gesagt, was Gott ist;
dabei voraussetzend, dass Gott selbst, solange es einen breiten
Beweis gibt, was Gott nicht ist, nicht existiert. Ich meine nicht,
dass die erste Position die zweite beweise. Richard tut das
offensichtlich. Und hierin liegt ein Bärendienst. Ich hätte
mir gewünscht, dass ein derart brillanter Geist wie derjenige
von Richard die Analyse der außerordentlichen, auf persönliche
Einzelfallberichte beruhenden Erweise der Existenz Gottes angeht, die
uns von jedem einzelnen unter einigen Hundert Millionen Menschen
erreichen ... oder der Existenz von etwas, welchen Namen wir ihm auch
geben möchten, von etwas, was auch die Wissenschaft nicht
erklären kann, das sich jedoch in der alltäglichen
Erfahrung der Menschenwesen als sehr real, als sehr präsent, als
sehr verlässlich und sehr nützlich erzeigt.

Der
Name, den ich diesem „Etwas“ gebe, lautet Leben. Richard räumt
in dem Text ein, dass die Menschen nicht alles verstehen, was es über
das Leben zu verstehen gilt. Ich unterbreite, derjenige Teil, den wir
nicht verstehen, ist der Teil, den wir nicht unkorrekterweise „Gott“
nennen. Ich mache ferner den Vorschlag, dass es der Menschheit
ungemein wohltun würde, dies zu tun, denn damit versichern wir,
dass es etwas Größeres Als Uns im Universum gibt, und,
sofern einmal diese Versicherung ausgesprochen ist (und nur dann, bis
sie das ist) sind wir in einer Position, dieses Etwas als einen
Mechanismus, als eine Vorrichtung, als ein Werkzeug bei der
Erschaffung unserer am meisten angestrebten Realität
einzusetzen.

Sofern
wir Gott nicht anerkennen können, können wir indes Gott
nicht nutzen (wie können wir etwas zum Einsatz bringen, von dem
wir glauben, es gebe es nicht?) - und, solange wir somit nicht in der
Lage sind, Gott als eine immer gegenwärtige Hilfe in Zeiten der
Not herzunehmen, um noch gar nicht davon zu sprechen, ihn als eine
mächtige Kraft in Zeiten der reinen Schöpfung zu nutzen,
heißt das, dass wir unsere umfassendste Ressource brach liegen
lassen.

Ich
hatte einen starken Beweis für die Existenz dessen, was ich
„Gott“ nenne. Ich habe aus meinem eigenen Leben gesehen, dass
„Gott“ eine Macht, eine Essenz, eine Energie ist, die mit gleich
bleibenden und vorhersagbaren Resultaten zum Einsatz gebracht werden
kann. Ich bin mit Richard Dawkins einverstanden, dass Gott kein
SuperWesen im Himmel ist, wütend, rachsüchtig und
gewaltsam, außer bei denen, die Er liebt, da sie Ihn lieben –
in der Weise, wie Er es will und braucht, Ihn zu lieben. Richard hat
alle Register gezogen, um diese spezifische Auffassung zu entlarven,
dazu rufe ich Bravo.

Ich
pflichte auch dem wunderbaren Professor bei, dass Gott nicht eine Art
von Oben-Nach-Unten-Macht Oberhalb-des-Höchsten Lebens ist, der
seine Tage und Nächte damit verbringt, jeden unserer Gedanken,
Worte und Tage mitzuerleben und zu beurteilen, dabei unsere Ansinnen
gewährt oder sie uns versagt (auf der Grundlage irgendwelcher
unbekannter Kriterien), und der uns dabei zum Ende unseres Lebens
bestraft oder belohnt (auf der Grundlage von gleichfalls
unbegreiflichen Maßgaben).

Allerdings,
noch einmal, bin ich enttäuscht darüber, dass in diesem
Buch, während in aller Fülle klargelegt wird, was Gott
unmöglich sein kann, kaum ein Versuch zu finden ist, mehr
Gedankenfutter über das, was Gott womöglich sein kann,
anzubieten.

Damit
möchte ich nicht sagen, dass 'The God Delusion' völlig
ohne Wert ist. Ich würde gerne denken, dass die meisten Menschen
darum wissen, dass Richard recht hat, wenn er sagt, der Gestrige
Gott, der Gott unserer Mythologien, existiere nicht. Fakt allerdings
ist, dass Milliarden dies nicht erkennen. Somit existiert in der
Literatur unserer Tage ein riesiger Raum (und Bedarf, es tut mir
leid, das zu sagen) für Dawkins. Solltest du dich allerdings
bereits nach jenseits der Glaubensüberzeugungen über den
Gestrigen Gott begeben haben, so wirst du es nicht nötig haben,
Dawkins zu lesen, und ihn auch nicht sehr stimulierend finden.

Oh,
sofern doch Richard seinen Horizont erweitert haben könnte,
erweitert, um einen Versuch einzuschließen, die Existenz des
Künftigen Gottes zu entlarven – dann hätten wir eine
sokratische Diskussion, eine Debatte, die dem angemessen ist, was
Barbara Marx Hubbard die Kulturell Kreativen unserer Gesellschaft
nennt.

Während
ich womöglich nicht der Angemessene bin, um in dieser Gruppe inbegriffen zu werden, lass mich, Richard, diese Debatte morgen an
der gleichen Stelle fortsetzen.