Der Jesus-Jünger Thomas beschreibt einen Weg, WIE ....

Nachricht von vor 2000 Jahren – wir sind berufen, die ganze Welt und das All in die Hand zu nehmen und anzuführen .... WIE geht das?

 

- Elaine PAGELS: Das Geheimnis des fünften Evangeliums. Warum die Bibel nur die halbe Wahrheit sagt. Stuttgart dtv [2006] EUR 9.50. -

 

 

 

„Jesus spricht: Ich bin das Licht, das über allem ist. Ich bin das All. Aus mir ist das All hervorgegangen. Spaltet ein Stück Holz – ich bin da. Hebt den Stein auf, und ihr werdet mich dort finden.“ - „Erkenne, was vor deinem Angesicht ist, und das, was für dich verborgen ist, wird sich dir enthüllen. Denn es gibt nichts Verborgenes, was nicht geoffenbart werden wird.“ - „Wenn ihr euch erkennt, dann werdet ihr erkannt werden, und ihr werdet begreifen, dass ihr die Kinder des himmlischen Vaters seid.“ - „Wer sucht, soll nicht aufhören zu suchen, bis er findet. Und wenn er findet, wird er bestürzt sein. Und wenn er bestürzt ist, wird er erstaunt sein. Und er wird König sein über das All.“

 

 

Diese Zeilen stammen aus dem sog. Fünften Evangelium, dem Thomas-Evangelium. Sie lassen aufhorchen. Denn auch noch das fortgeschrittenere Evangelium unter den vieren in der Bibel, das des Johannes, stellt den einzigen Weg des Christen, den Christen-Weg zur Erlösung, als unabdingbar heraus, den Weg, der im Glauben an Jesus Christus bestehe: „Wenn ihr nicht glaubt, dass ich es bin, werdet ihr in euren Sünden sterben“ - „Wer mir nicht nachfolgt, wird in Finsternis wandeln.“ - „Wer nicht glaubt, ist schon gerichtet.“

Elaine Pagels ist heute Professorin für Religionswissenschaften an der Princeton University, USA. Eine international anerkannte Expertin für die sog. gnostischen Evangelien, für das Schrifttum des frühen Christentums der ersten zwei, drei Jahrhunderte, für den historischen Prozess der „Synopse“, dem Zusammenstellen der Schriften zu einem Heiligen Buch, das in dem 325 n.Chr. vom Kaiser Konstantin einberufenen Konzil zu Nicäa seinen Endpunkt und den Ausschluss u.a. des Thomas-Evangeliums fand.

Pagels Buch ist, für einen Professor nichts Außergewöhnliches, belehrt, belesen und voll – für einen Professor nicht selbstverständlich: es ist verständlich, und mit dem Leser auf Augenhöhe. Es gibt eine Übersicht über den Auswahlprozess, der vonstatten ging, bis das Buch der Bücher zusammengestellt war. Es arbeitet die Gründe heraus, die zum Ausscheiden etwa des Thomas-Evangeliums geführt hatten. Für den Laien dürfte es z.Zt. kein besseres Buch für die Abschilderung dieses Geschehens geben. Das ganze Thomas-Evangelium ist wiedergegeben.

 

 

 

 

 

Dessenungeachtet – denn die Monographie ist unumschränkt empfehlenswert – : ich möchte mich in den folgenden Absätzen dem zuwenden, was in den Thomas-Auszügen des obigen ersten Absatzes geäußert wird ....

 

 

 

 

Der Suchende ist der Findende. Der Findende ist der bestürzt und dann erstaunt Seiende. Jener ist – ich entkleide den Text aus den Sinnbildern der alten Königsreich-Welten – der Veränderer von Erde und Weltall, der Effektive, der Unternehmende. Hier wird uns auf den Kopf zu gesagt, dass wir die Welt, die Erde und das Universum in seiner physischen Gestalt, anführen, erschaffen und leiten. Das ist Fakt; das ist Das Was Ist. Dem entsprechend – wen wundert es – ist die Aussage, ein jeder von uns sei berufen, sei dazu aufgerufen, sich zu berufen, sei in der Lage, in bewusster und absichtsvoller Wahl den Wandel und Wechsel unseres Planeten in die Hand zu nehmen – das ist ja eine Aussage, wie wir sie in Gespräche mit Gott hören -, „nichts Neues“. Dem nachzukommen, war 2000 Jahre in unseren Breiten sehr erschwert, da das Wissen darum konsequent ausgekämmt worden war – das Auskämmen ist das Thema des Buches.

Die Menschheit wuchs also in den paar Tagen während der letzten ein, zwei Jahre ihres Kindergarten-Alters, gemeint sind die vergangenen 2000 Jahre, heran, während ihr die Werkzeuge der Schöpfung verstümmelt in die Hand gegeben worden waren. Christus hatte den Menschen gezeigt, wie sie es nunmehr als zunehmend Heranwachsende selbst sein mögen, die das Ruder in die Hand nehmen, was den Lauf der Erde betrifft. Diesbezüglich hat er sich als Beispielgeber positioniert, nicht als exkludierendes Eingangsportal. Diese Werkzeuge liegen nun wieder unverstümmelt in unseren Händen, und warten darauf, genutzt zu werden.

 

Machen wir uns also auf, diese Welt zu wandeln.

 

Wie? Wie bringen wir die Werkzeuge unter die Menschen?

 

Thomas sagt: Durch Suchen. Durch Nicht-Aufhören im Suchen. Wer nicht sucht, wird nicht finden. Der Schlüssel zur Ermächtigung liegt also nicht im Schuhschrank oder in einem Buch, nicht in einer Weihestätte oder einem heiligen Gedanken, nicht in einem Ritus oder einer Kombination von Körper- oder Geistbewegungen, nicht an einem Ort, wo wir ihn einmal hinverbracht haben. Er liegt jenseits des Wissens, jenseits dessen, was wir heute an Morgen bereits angebahnt haben. Er liegt im freien Erschaffen; in der freien Schöpfung; auf einem Boden jenseits des Morgen; auf einem Terrain, wo wir bislang noch keine Kenntnis vermittels Absuchen erworben haben. Jene, die sich unentwegt auf die Gefilde begeben, auf die Gefilde, deren Kenntnis, würden wir fühlend annehmen, wir kennten sie, uns alles in den Schoß wehen würde, sind die Ersten und die Letzten. Die Letzten, die nicht ruhen und keinen Frieden finden werden, bis auch die/der Vorletzte den Schleier der Illusion, sie/er sei weitweg von zuhause, bedachtsam beiseite gezogen hat und behutsam dorthin gelockt und geleitet worden war.

 

Man könnte meinen, wir könnten Menschen suchen und wir könnten und sollten im Hauptsächlichen unser Leben darauf ausrichten, Menschen zu suchen und aufzusuchen, denen wir die Werkzeuge und Botschaften überbringen möchten – das ist das Eine. Das Andere ist .... Dasjenige, Denjenigen, das und der vor meinem Angesicht weilt, gilt es zu erkennen, und damit: - - zu suchen. Mein Gegenüber, derjenige, der soeben mir gegenüber steht, der meinen Sinn kreuzt, der mein Gemüt befärbt, er ist derjenige, der sich mir bei der Suche offenbart und offenlegt (wenn man so will .... dies kürzt die Wege, die beim Ausbreiten der Werkzeuge und Weisheiten zu unternehmen sind, gehörig ein). Mein Gegenüber ist meine Offenbarung.

Unsere Wege auf Straßen, Bahnen und in den Lüften sind in dem Maße zielsicher geleitet und treffen in dem Maße am Ankunftsort auf geöffnete Herzen, wie wir soeben unser Gegenüber als eine weit geöffnete Seele erkennen und ihn somit auf-gesucht haben.

 

Insofern ist Elaine Pagels Buch, neben seinen historisch getreuen und inhaltsreichen Schilderungen, ein Beitrag zu unserem WIE.

Nämlich zu unserem Thema: WIE öffnen wir die Herzen der Menschen für die Weisheiten und Werkzeuge der Neuen Spiritualität?

[3/07 - ThB]